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Herzlichen Glückwunsch! Sie haben uns mitgekauft!

März 13, 2013

Presseerklärung des Haus Friedensbruch, Theaterwall 24a, Oldenburg

Vor zwei Tagen präsentierte die NWZ den neuen Eigentümer des Haus Friedensbruch der Öffentlichkeit. Lambert Lockmann hat große Pläne. Welche genau, ist schwer zu sagen. Irgendwo im Gebiet der von ihm gekauften Häuser will er Wohnfläche, Gewerbefläche und eine Tiefgarage schaffen. Das ist nicht sehr überraschend, da es in einer Stadt ja auch nicht so viel mehr Möglichkeiten für Bauvorhaben gibt. Mehr als die Tatsache, dass er wohl kein Schwimmbad errichten will, lässt sich daraus nicht schlussfolgern. Während konkrete Nutzungspläne noch „zurzeit erarbeitet“ werden müssen, hat Herr Lockmann aber schon jede Menge Ideen, um mit fragwürdigen Methoden möglichst schnell wieder für Leerstand zu sorgen. Die Nutzung als Kulturzentrum möchte er nach eigenen Angaben schnellstmöglich beenden. Er stellt sich vor, dass das am besten zu realisieren sei, indem er einen Bauzaun aufstellt und die Bewohner_innen und Nutzer_innen einfach aussperrt. Dass das angesichts der Tatsache, dass dort Menschen wohnen und regelmäßig Veranstaltungen stattfinden, nicht so einfach und nur illegal von statten gehen könnte, scheint ihn nicht zu stören. Damit das nicht so auffällt, berichtet er von seinen detektivischen Ausflügen, auf denen er angeblich festgestellt hat, dass das Haus nicht bewohnt wird. In bester Sherlock-Holmes-Manier hat er das messerscharf aus irgendwann zwischen Januar und März fehlenden Spuren im Schnee geschlossen. Sicherlich ist das so albern, dass es ihm keiner abkaufen wird. Dennoch bereitet ein solches Vorgehen Sorge – Herr Lockmann scheint sich da für nichts zu schade zu sein, um Probleme mit Besitzrechten und Schutz der Wohnung zu umgehen. Um seine These von der Unbewohntheit zu untermauern behauptet er auch, dass es weder Strom, noch Wasser, noch Heizung gebe. Dass es auch noch etwas anderes als 220 Volt und Gas-Zentralheizungen gibt, brauchen wir wohl nicht näher zu erläutern.

Letztlich wundert das alles auch nicht, angesichts der bemerkenswerten Vorgänge um den ungenehmigten Dachabriss am 25. Februar. Jeder in der Stadt weiß, dass die Sanierung des kleinen Hauses wirtschaftlich nicht lohnenswert ist und das Grundstück ohne Haus viel gewinnbringender zu vermarkten wäre.

Zum von der Stadt angekündigten Bußgeldverfahren bekundet Herr Lockmann völliges Unverständnis und behauptet Herr Thomas habe nur den Bestand des Hauses sichern wollen. Dass Herrn Thomas und Herrn Lockmann als Immobilenmakler nicht bekannt sein soll, dass man eine Genehmigung braucht, um einem denkmalgeschützten Haus das Dach wegzureißen, ist schlicht nicht vorstellbar. Herr Lockmann schämt sich nicht, den Abriss damit zu begründen, dass Herr Thomas das Haus laut Kaufvertrag bis zur Übergabe „im bisherigen Zustand erhalten“ müsse und deshalb das Dach hätte abdichten wollen. Warum er erst Wochen nach Abschluss des Kaufvertrages (und damit auch erst kurz vor der baldigen Grundbucheintragung) festgestellt hat, dass das Dach urplötzlich so undicht ist, dass es keine weiteren sechs Wochen hält, kann Herr Lockmann wohl nicht sagen. Das Dach war ohnehin heile und komplett dicht, wie sich auch von außen problemlos erkennen ließ. Schließlich haben wir es noch im Herbst winterfest gemacht. Somit ist dieses Märchen sowieso absurd. Ebenso, dass Herr Lockmann, der sich laut eigener Internetpräsenz ja so dem Denkmalschutz verpflichtet sieht, eine Abrissfirma auf ein Haus los lässt, ohne sich die Substanz vorher auch nur einmal selbst angeschaut zu haben. Noch am Abrisstag berichtete ein Mitarbeiter der Stadt, Herr Thomas hätte am Telefon bekundet, er hätte gar nicht vor gehabt, gleich ein neues Dach aufzusetzen. Bei Neubauten sei es ja schließlich auch üblich, diese mal eine Zeit lang offen stehen zu lassen. Soviel zum Thema Abdichten. Damit gerechnet haben wir sowieso nicht. Denn kein vernünftiger Mensch, der vor hat ein Dach am nächsten Tag denkmalschutzgerecht wieder aufzubauen, beauftragt statt eines Dachdeckers ein Abbruchunternehmen, lässt die allesamt heilen Originalziegel in einen Container schmeißen und den halben Giebel mit abreißen. Jemandem wie Peter Thomas, der bei der Stadt anruft und behauptet, wir hätten das Haus komplett entkernt, um endlich eine Abrissgenehmigung zu bekommen, ist wohl einiges zuzutrauen. Und dass sein neuster Coup ohne Absprache mit dem neuen Eigentümer stattgefunden haben soll, ist nicht zu glauben.

Ob die beiden also einen weiteren Versuch starten wollten, uns zum „freiwilligen“ Auszug zu bewegen, oder gehofft haben, mit dem Abriss so weit zu kommen, dass das Haus als nicht mehr denkmalschutzwürdig und damit endlich als abrissfähig qualifiziert werden würde, bleibt Spekulation.

Wir sind froh, dass weder das eine, noch das andere funktioniert hat. Da nur dem Spitzboden die Wände fehlen, hat die Aktion weder das Wohnen im Obergeschoss noch die Veranstaltungen im Untergeschoss besonders beeinflusst. Ein Statiker der letzte Woche zusammen mit einer Vertreterin des Amtes für Denkmalschutz das Haus besichtigt hat, hat uns bestätigt, dass die Substanz des Hauses sehr gut ist und keine Zweifel an der denkmalschutzwürdigkeit bestehen. Damit das so bleibt, bedarf es aber dringend einer dauerhaften Lösung. Sofort nach dem Abriss haben wir das Dach in Absprache mit dem Denkmalschutzamt mit Planen abgedichtet, um das Haus und unser darin befindliches Eigentum vor weiteren Schäden zu schützen. Schon dabei wurde abgesprochen, dass wir nicht länger als zwei Wochen für die Haltbarkeit der Konstruktion garantieren können. Die sind nun abgelaufen und es muss dringend ein richtiges Dach aufgesetzt werden.

Schon jetzt hat Herr Lockmann ausreichend kundgetan, dass seine Form der Kommunikation nicht in Gesprächen liegt. Wir sehen aber keinen Anlass uns von seinen unausgereiften Drohgebärden beeindrucken zu lassen. Bei uns geht es weiter wie bisher. Fast zwei Jahre Haus Friedensbruch haben diesen Ort für viele Menschen unentbehrlich gemacht. Mit ein bis zwei Veranstaltungen pro Woche, zu denen zwischen zehn und hundert Menschen kommen, ist der Kreis von Nutzer_innen weit größer, als Herr Lockmann sich wohl vorstellen mag. Und die lassen sich weder weglügen noch einfach rausschmeißen.

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