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26.9. bis 15.10: C2CM8F9KR

September 7, 2011

Eine Fotoausstellung über Individualreisen als erbärmlich privilegiertes Wohlstandsphänomen oder wahlweise als Versuch ein besserer Mensch in einer immer größeren Welt zu werden

Die weite weite Welt will unbedingt erlebt werden. Schamlos exhibitionistisch stellt sie sich zur Schau, lockt und lässt einen letztlich doch nie Teil haben.

Sie lockt mit ständigem Kulturschock, den krassesten politischen Konflikten, den atemberaubensten Naturphänomenen, den geilsten Bauten, den tragischsten Geschichten gebeutelter Nationen. Sie bietet alles im Detail bis weit raus in seine Extreme und bleibt dabei trotzdem immer echt. Abseits des ja ohnehin verpönten Pauschaltourismus wartet sie auf neugierige, mutige und großzügige Entdecker, die sich zuhause nur noch langweilen und die intensiven Erfahrungen des Selbst im Fremden suchen.

Nie wirklich Teil hat man, da man auf Reisen immer einer der zu sein scheint, der abbremst, um den Unfall zu begaffen. und zwischen dem eigenen Innenraum und dem was da geschieht ist immer dieses dünne Glas. Bevor man also wieder Gas gibt und weiter aufs geplante Ziel zurast, hat man diesen verhältnismäßig kurzen und klar befristeten Moment der distanzierten Teilhabe während des Vorbeirollens. Das da Gesehene wird sehr wahrscheinlich aber das sein, was im Nachhinein diese Fahrt wenigstens bemerkenswert macht.

Öffnet man sich den Möglichkeiten und nutzt den rasenden Fortschritt in der Mobilität, holt die Reise raus aus dem Aufmerksamkeitsdefizit des Alltags und führt zu einem Blick für das unwesentliche, für die kleinen, oft absurden Eigen- und Besonderheiten der anderen Orte und Menschen. Statt immer nur alles was die Menschheit so um- und antreibt medial verdaut eingeflößt zu bekommen, lässt das Reisen möglichst direkt Erfahren, so dass man sich ganz alleine seine extravagante, aber irgendwie total authentische Meinung bilden kann. Und vielleicht lernt man sogar Toleranz, Verständnis für das Fremde und die Relativität des eigenen kulturellen Zusammenhangs, möglicherweise überwindet man Vorurteile. Jedenfalls war man da und weiß es daher eben besser, schließlich traut man den eigenen Augen.

Absurderweise können oft die, die man da auf seinen Reisen in ihrer aufregenden Alltäglichkeit beobachtet – denen man gar begegnet – diese authentischen Erfahrungen in der ihnen fernen Fremde nicht machen. Also die, die einem zeigen, dass der Mensch mehr ist als eine biometrisch erfasste Fresse und ein dieser zugeordneter, neunstelliger Code; die, die dieses seltsam fremde ursprüngliche, bescheidene Leben führen abseits der zwanghaften Lebenswege des Wohlstands und der Billigflüge; eben die, die trotzdem glücklich sind oder auf dem Foto so aussehen.
Der Individualtourismus mit all seinen authentischen Erfahrungswerten, die einen in der moralisch essentiellen Persönlichkeitswerdung ganz nach Vorne bringen können, kann sie im Prinzip mal. Es sei denn sie reisen in ein noch ärmeres Land oder aber sie sind gezwungen vor Gewalt, Hunger oder Armut in die Ferne zu flüchten und auf der hoffnungsvollen Reise auf ein besseres Leben das ihre zu riskieren.

Das schicke Konzept der Individualreise hat viel zu bieten. Das wissen wir und das wissen auch die Leute, die daraus überall einen eigenen Dienstleistungszweig gemacht haben und vom Abenteuerhunger des verhältnismäßig finanzstarken jungen Westlers profitieren. Für den ist das ja preislich momentan ganz gut machbar, wenn man längere Aufenthalte an den ohnehin schönsten Stränden der Billigländer einplant. Und die Welt sollte man schließlich schon mal gesehen haben bevor man abtritt.

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2 Kommentare leave one →
  1. Olle W. permalink
    September 8, 2011 3:15 pm

    Die Idee zu der Veranstaltung finde ich richtig gut. Toll!

  2. Misanthrop permalink
    September 12, 2011 9:50 pm

    Endlich mal was ohne wurst!

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